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DER BEZIRKSSPAZIERGANG... von Doris Weis, Kustodin des Bezirksmuseums Eine Tafel beim Eingang des Hauses Gentzgasse 7 gedenkt eines Selbstmords durch einen Sprung aus dem FensterAls am 16. März 1938 zwei SA-Männer an seine Türe klopften wählte er den Freitod. Er rief den Passanten noch warnende Worte zu, um niemanden zu gefährden, bevor er sprang. Er war sofort tot.
Egon Friedell (eigentlich Friedmann) wurde am 21.1.1878 in Wien geboren. Er studierte in Heidelberg und Wien Germanistik und dissertierte über „Novalis als Philosoph“. Seit 1909 wohnte er in diesem Haus. Er war mit dreißig Jahren bereits ein Original „ein angehender Weiser, aber auch ein Bursche von unendlichem Humor“, eine massige Erscheinung mit unschönen Zügen, aber ein äußerst gebildeter und vielseitiger Mann: Schriftsteller, Dramatiker (sein Drama „Judastragödie“ wurde am Burgtheater aufgeführt), Historiker, Feuilletonist, Kritiker, Schauspieler, Kabarettist, übersetzte Werke aus dem Englischen und Französischen, schrieb Einakter, Sketches und Parodien fürs Kabarett - diese überwiegend mit seinem Freund Alfred Polgar, so die brillante Szene „Goethe“, in der dieser bei einer Prüfung über sein eigenes Werk und Leben kläglich versagt. Einem weiteren Freund, Peter Altenberg, widmete er sein Buch „Ecce poeta“. Er beeinflusste vor dem zweiten Weltkrieg das literarische und kulturelle Leben in Wien nachhaltig. Darüber hinaus wurde er durch seine kulturhistorischen Arbeiten bekannt, so durch sein Lebenswerk in 3 Bänden „Kulturgeschichte der Neuzeit - Die Krisis der europäischen Seele von der schwarzen Pest bis zum 1. Weltkrieg“, eine Sammlung von Polemiken gegen Zeitgenossen wie Freud und impressionistisch zusammengestellten Einblicken in die europäische Geistesgeschichte, und 2 Bänden „Kulturgeschichte des Altertums“. Von 1908-10 leitete er das Kabarett „Die Fledermaus“, wo seine Sketches und Szenen aufgeführt wurden, von 1919-22 arbeitete er als Theaterkritiker, danach spielte er unter Max Reinhardt in Berlin und Wien Theater. Hilde Spiel bezeichnete ihn als einen allseits respektierten Kauz. Noch am Vorabend seines Todes lehnte er es ab, mit Freunden, die ihn zur Flucht überreden wollten und einen Platz für ihn in ihrem Auto frei hatten, mitzufahren, mit den Worten „Ich bin Österreicher“. {mosimage} erschienen in der {mosimage}
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