Bezirksspaziergang Das „Singende Quartett“
Das „Singende Quartett“ Drucken

DER BEZIRKSSPAZIERGANG

... von Doris Weis, Kustodin des Bezirksmuseums

Spaziert man im Pötzleinsdorfer Schlosspark am unteren Weg entlang sieht man bald linkerhand in Abständen vier überlebensgroße Statuen, die alle den Mund weit offen haben. 

Das „Singende Quartett“ 

Nun sind ja in früheren Privatparks Figuren dieser Art nichts Ungewöhnliches. Manch ein Besitzer hatte eine Vorliebe für solche Plastiken oder es entsprach gerade der Mode, solche aufzustellen.

Diese Figurinen hier aber haben eine andere, besondere Vorgeschichte:1873/74 errichtet der Architekt Emil Ritter von Förster am Schottenring 8 das Ringtheater mit einem Zuschauerraum von 7 Stockwerken. Auf die Pilaster der Attika über dem Eingang werden vier, vom Bildhauer Edmund Hellmer geschaffene, Figuren aufgestellt: als „Singendes Quartett“, Tenor, Bass, Sopran, Alt - daher mit offenen Mündern!

Am 8.12.1881 bricht unmittelbar vor Beginn der Aufführung von Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ auf der Bühne ein Brand aus. Infolge fehlender Brandschutzeinrichtungen und Unzulänglichkeit der Feuerwehr brennt das Gebäude total aus und von 1700 Zuschauern können sich 386 nicht mehr retten. Wie ein Theatermitglied später erzählt, liefen die Dienst habenden Feuerwächter als erste davon. Aus dieser Katastrophe resultieren später die strengen Brandschutzvorschriften, z.B. der „eiserne Vorhang“.

Neue Heimat im Park. Die vier Figuren des „Singenden Quartetts“ überstehen kaum beschädigt den Brand des Ringtheaters. Bald danach, im Jahre 1882, werden sie von den damaligen Besitzern des Pötzleinsdorfer Schlosses und Parks, der Familie Ladenburg, die die Kunst und die Wissenschaft großzügig förderten, erworben und in ihrem Park in Pötzleinsdorf aufgestellt. Hier erfreuen sie noch heute, neu renoviert, die Parkbesucher, wobei vielen diese Geschichte bisher vielleicht noch nicht bekannt war.

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