Bezirksspaziergang Cafe „Wilder Mann“
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DER BEZIRKSSPAZIERGANG

... von Doris Weis, Kustodin des Bezirksmuseums 

Ein Kaffeehaus alter Tradition, wo gibt es das heute noch? Währing kann damit aufwarten, mit dem

Cafe „Wilder Mann“

Das frühere Gasthaus „Zum wilden Mann“ in der Währinger Straße 85 war im späten 18. Jahrhundert mit seinem schattigen Garten und einem großen Tanzsaal ein gut besuchter Gasthof. Schon Matthias Corvinius soll hier 1485 sein Hauptquartier aufgeschlagen haben, als er Wien belagerte. Und die Sage vom „Bärenhäuter“ ist mit diesem Gebäude verknüpft: ein deutscher Landsknecht hatte sich dem Teufel verschrieben, der ihn erst wieder freigeben wollte, wenn dieser 3 Jahre mit einem Bärenfell bedeckt ungewaschen lebte und trotzdem eine Frau fände. Dies gelang ihm, er heiratete vor Ablauf der 3 Jahre die Tochter eines reichen Bürgers. Der Teufel schenkte ihm dafür das Wirtshaus in Währing und eine Apotheke am Lugeck, die ihn reich machten.

Das alte Haus wurde im Jahre 1884 abgebrochen und durch einen Neubau mit einem Restaurant und Kaffeehaus ersetzt. Heute noch befinden sich hier das Restaurant „Wienerwald“ und das Cafe „Wilder Mann“. Im Prachtsaal wurden große Konzerte (u.a. Brüder Strauß) und Bälle veranstaltet. Jetzt ist er der Sitz des Geselligkeitsvereins „Schlaraffia Vindobona“. Über dem Tor blickt der „Wilde Mann“ herunter.

Das Cafe wurde in den 1930er-Jahren nach einem vollständigen Umbau und Neueinrichtung eröffnet. Der bekannte Wiener Architekt A. Ortner baute hier Räume, die in Proportion, Lichteinfall und Farbe Höchstleistung zeigen. Die braune Holzvertäfelung, der helle Linoleumboden, Marmortische und Thonetmöbel, speziell die Sessel mit Flechtwerk in der Rückenlehnen (heutzutage eine Seltenheit), die flämischen Luster mit den Hütchen, bieten eine heimelige Kaffeehausatmosphäre. „Es ist so schön altmodisch im Stil des späten Art Deco“, dies schätzen nicht nur die alten Stammgäste, auch jüngere fühlen sich in diesem Ambiente sichtlich wohl. Natürlich wurden kleine Veränderungen und Modernisierungen im Thekenbereich der laufenden Zeit entsprechend immer wieder vorgenommen, doch ist das Genre bis heute gleich geblieben. Die typischen Logenplätze sind immer noch ein Anziehungspunkt für Kaffeekränzchen von Damenrunden, aber auch Studenten versuchen hier ihr Wissen gemeinsam auf engsten Raum zu vervollständigen.

erschienen in der
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